Feng Shui und Farbe im Klassenzimmer, Fortsetzung

“Mit Hilfe von Feng Shui nimmt man die Umgebung bewusst wahr und gestaltet sie bewusst. Warum ist dieses bewussste Wahrnehmen so wichtig?” So endete der letzte Beitrag. Nun die Antwort auf diese Frage.

Der schweizer Tiefenpsychologe Carl Gustav Jung hat festgestellt, dass etwa 90 % dessen, was wir wahrnehmen, im Unbewussten verborgen bleibt und dieses unser Verhalten stark beeinflusst. Das Unbewusste registriert die Inhalte, überprüft sie auf ihren Sinngehalt hin und löst entsprechende Reaktionen wie z. B. Flucht oder Abwehrverhalten aus. Das ist wissenschaftlich bewiesen!

“Schöner wohnen” berichtete, dass Forscher an der Universität Nevada wissen wollten , was passiert, wenn sich 6-jährige SchülerInnen in verschieden gestalteten Räumen aufhalten. Eine Gruppe befand sich in einem hellblau gestrichenen Raum mit Tageslichtleuchten, die Vergleichsgruppe in einem weiß gestrichenen mit Neonröhren. Die wichtigsten Erkenntnisse: In dem hellblau gestrichenen Zimmer waren die Kinder aufmerksamer und ihr Blutdruck durchschnittlich um 9 % niedriger als der der anderen Kinder.

Damit ist der Nachweis erbracht, dass unser Unbewusstes in Bruchteil von Sekunden die Umebung wahrnimmt und darüber entscheidet, wie sie auf uns wirkt und welche Reaktion ansteht, ob Entspannung oder Abwehr. Atem, Puls, Herzfrequenz, Gehirnströme, Blutdruck und Hauttemperatur passen sich sofort an die Situation an. Wird die Umgebung (unbewusst) als unangenehm (und unbewusst als bedrohlich) wahrgenommen, erzeugt dies Stress. Stress zieht körperliche Reaktionen nach sich, die einen Teil der Konzentration für das vermeintlich notwendige Verhalten von z. B. Flucht oder Abwehr abziehen und dem Lernen nicht mehr zur Verfügung stehen.

Nun könnte man meinen, grauer Sichtbeton (in der im vorherigen Beitrag erwähnten Schule) im Forum und in den Fluren sei an sich nicht gefährlich. Warum wird die viele graue Farbe aber als stressig empfunden? Einerseits lässt es sich mit Hilfe der Farbpsychologie erklären: Grau gilt als die Farbe trüber Gefühle, der Sorgen (”grauer Alltag”) und drückt sich in Worten wie “grau”sam aus. Grau ist auch die Farbe des Ungenießbaren. Denken Sie an Schimmel auf Lebensmitteln oder fällt Ihnen eine graue, appetitanregende Speise ein? Ich bin gespannt auf Ihre Ideen. Mit Grau wird also in der Mehrzahl Unbehagen assoziiert.  

Andererseits erfüllt grauer Sichtbeton zwar das Kriterium der Moderne und Funktionalität, weil pflegeleicht, aber er wirkt auch kühl, distanziert, strahlt keine Behaglichkeit aus. Fehlende Behaglichkeit löst entsprechende körperliche Stress-Reaktionen aus. Nun geht es im Feng Shui nicht ausschließlich um Gemütlichkeit, sondern vor allem darum, bewusst und unbewusst wirkende Stressfaktoren in der Umgebung weitgehend  auszuschalten, so dass man sich in seiner Umgebung wohlfühlt und sich voll und ganz auf die eigentliche Tätigkeit (egal ob entspannen oder lernen / arbeiten) konzentrieren kann.

Warum wird aus Sicht des Feng Shui das viele Grau (das in unserem Schul-Beispiel noch mit Granitkacheln ergänzt ist) als Stressfaktor wahrgenommen? Einfach gesagt: Weil es zu viel ist! Es herrscht eine einseitige Dominanz des einen Elements “grau” (=Metall) vor, was zu einem Ungleichgewicht in der Umgebung führt. Dieses Ungleichgewicht kann (unbewusst) abeweisend oder bedrängend wirken. Man kann es sich vergleicsweise auch so vorstellen: ein sanft dahinfließender Fluss entspannt den Menschen, eine Überschwemmung hingegen stresst den Menschen. Das Zuviel des Elements Wasser ist da also ein Ungleichgewicht in der Umgebung.

Mit Feng Shui versucht man ein Gleichgewicht der Elemente herzustellen. So wie das Wasser in dem Fluss nicht zu viel oder zu wenig sein soll, sollte die Farbe grau maßvoll eingesetzt werden, damit die Schule zu einem Ort wird, an dem man sich wohlfühlt.

Schon lange haben ForscherInnen haben herausgefunden, dass die Umgebung auf den Menschen wirkt. Wie Studien und Erfahrungen überzeugend belegen, kann es deshalb sinnvoll sein, der Umgebung mehr Beachtung zu schenken. Denn mit dem Wohlfühlen stellt sich mehr Lebensfreude ein, mit der Lebensfreude mehr Energie. und Leistungsfähigkeit! 

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